Einmal ganz oben

Nachdem ich im Sommer eine Medaille bei der Deutschen Veteranenmeisterschaft geholt hatte, gab es nun die Möglichkeit für mich bei der Weltmeisterschaft in Paris anzutreten.

Die Veteranen WM ist mit 2500 Teilnehmern, das Größte Turnier der Welt. Über 5 Tage treten die Athleten aus insgesamt 67 Ländern in ihren Alters- und Gewichtsklassen gegeneinander an.

Dies ist eine Größenordnung, die ich mit nichts vergleichen kann.

Da ich in der Altersklasse M1 (30-34 Jahre) antrat, startete ich auch am ersten Turniertag. Am Vortag war jedoch schon die Registrierung und einwiegen der Athleten. Allein diese Akkreditierung umfasste 6 Stationen. Von der Überprüfung der Wettkampflizenzen, über ärztliche Atteste, bis hin zum Wiegen. Ein enormer Aufwand den täglich 500 Athleten durchlaufen. Doch durch die gute Organisation war dies kein Problem und ich konnte mich mit 99,8kg in der Gewichtsklasse -100kg einwiegen. Dort war ich der einzige deutsche Teilnehmer, der sein Glück gegen die anderen 34 Kämpfer versuchte.

Am Turniertag konnte ich das „Dojo de Paris“ betreten. Diese permanente Judohalle umfasst 1800 Sitzplätze und bot Platz für insgesamt 5 Wettkampfflächen. Jede Wettkampffläche war doppelt so groß wie unser BTG Dojo (Trainingsraum). Allein der Aufwärmraum war so groß wie eine 3-Fach Turnhalle. Dort standen überall Monitore, an denen man die Kämpfe im Livestream verfolgen konnte. Die WM konnte sogar in der ARD und ZDF-Mediathek verfolgt werden. Zudem gab es in der Halle Anzeigen für die Kampfreihenfolge um sich entsprechend vorbereiten zu können.

Mit den anderen deutschen Athleten konnte ich mich dann aufwärmen, bis ich endlich aufgerufen wurde und zum Kampf antreten durfte. Doch auch dort musste ich noch 4 Kontrollen durchlaufen, bei denen mein Anzug überprüft wurde. Für internationale Events braucht man extra Lizensierte Anzüge, mit dazugehörigen Regelungen für die Passform und offizieller Rückennummer. Dies hatte ich im Vorfeld alles besorgt, so konnte ich nach Überprüfung ungehindert in den Wartebereich geleitet werden. Im Wartebereich wurden wir nach Wettkampfflächen sortiert, um einen lückenlosen Ablauf halten zu können.

Die Nervosität stieg immer weiter, je näher ich dem Kampf kam. Doch bei all diesen Eindrücken von diesem riesigen Turnier war ich hier um zu kämpfen. Sobald ich die Matten unter meinen Füßen spürte, gab es keine Nervosität, keine Zweifel, keine Ablenkung. Ich war zu 100% kampfbereit. Fokussiert ging ich auf meinen Gegner aus Frankreich zu. Mit einem guten Griffkampf versuchten wir beide die Oberhand zu gewinnen. Mein Gegner war um einiges größer, was ihm einen Vorteil bereitete, doch mit gezieltem Griffkampf hielt ich gekonnt dagegen. Jeder versuchte seine Techniken durchzubringen, doch keiner konnte klar dominieren. Nach einem missglückten Schulterwurf von mir konnte mein Gegner eine Würgetechnik ansetzen, welche ich aber ohne Probleme verhindern konnte. Für diesen missglückten Angriff bekam ich eine Strafe, wodurch ich nun noch offensiver handeln musste. Nach sehr starkem Griffkampf konnte mein Gegner einen Fehler von mir Ausnutzen und warf mich zu Boden, wo er dann mit einem Haltegriff den Kampf für sich entscheiden konnte.

Mit dieser fairen Niederlage bedeutete es auch zu gleich für mich das Ende des Turniers.

Etwas enttäuscht von der Niederlage aber glücklich einmal dabei gewesen zu sein, konnte ich mir dann die restlichen Kämpfe von der Tribüne ansehen und Judo auf höchstem Niveau genießen. Weltmeister in meiner Klasse wurde ein Teilnehmer aus Brasilien.

Ich bleibe weiter dran und bin gespannt, was das nächste Turnier für mich bietet.

Ich bedanke mich herzlich bei meiner Familie und Freunden, welche mich vor Ort oder online unterstützt haben und ich bedanke mich bei der BTG, welche mir die Teilnahme ermöglicht haben.

Zurück